Am 25. Oktober 1962 gründete ein Kreis hochgesinnter Mäzene, darunter der Musikverleger Dr. Hans Sikorski und der Bankier Wolfgang Essen, die Deutsche Stiftung Musikleben. Ihre Absicht war es, dem Mangel an ausgezeichnetem Klassiknachwuchs im „Musikland Deutschland“ seit dem Krieg durch gezielte Förderung von Hochbegabungen entgegenzuwirken.
Seither wird die gemeinnützige Stiftung von Persönlichkeiten aus der gesamten Bundesrepublik getragen. Präsidium und Kuratorium sind ehrenamtlich tätig. Von Anfang an arbeiteten Mäzene aus der Wirtschaft und Kulturschaffende wie zum Beispiel der Komponist Carl Orff oder die Unternehmer Dr. Ernst von Siemens, Dr. Hermann J. Abs und Jürgen Ponto mit oder leisteten finanzielle Unterstützung.
Nach einer Phase der „stillen Förderung“, in der vor allem Projekte des Deutschen Musikrats durch Spenden- sammlungen unterstützt wurden, begann die Stiftung in den achtziger Jahren unter dem Vorsitz des damaligen BAT-Direktors Eduard Söring, selbst fördernd aktiv zu werden. Während der Präsidentschaft von Erhard Bouillon, Aufsichtsratsmitglied der Hoechst AG, erschloss die Stiftung neue Spenderkreise. 1998 wurde Irene Schulte-Hillen in das Kuratorium der Stiftung gewählt und wurde 1992 Vorsitzende des Vorstands (seit 2006 Präsidentin). Unter Ihrer Leitung baute die Stiftung ein lebendiges und erfolgreiches Förderprogramm auf, das wesentlich durch die im Mai 1992 eingerichtete Geschäftsstelle ermöglicht wurde. Bis heute wird diese Geschäftsstelle vom Haus Bertelsmann finanziert.

Konzertreihe „Foyer Junger Künstler“
Im gleichen Jahr wie die Geschäftsstelle wurde die Konzertreihe „Foyer Junger Künstler“ ins Leben gerufen. Sie ermöglicht jungen, häufig noch unerfahrenen Nachwuchsmusikern bei jährlich 50 bis 60 Konzerten Auftritte in Hamburg und der gesamten Bundesrepublik: beim kleinen Lunchkonzert oder kooperierenden Festivals, bei Festkonzerten im Hause des Bundespräsidenten oder auf hoher See, an Bord von „MS Europa“. Für ausgewählte Preisträger veranstaltet die Stiftung von Zeit zu Zeit nationale und internationale Tourneen, z.B. die „Deutschlandreise 2003“ mit Maestro Kurt Masur, dem Schleswig-Holstein Festival Orchester und den Geigerinnen Tanja Becker-Bender und Viviane Hagner oder die „Debüt“-Konzerte 2006 und 2009 mit dem NDR Sinfonieorchester in der Hamburger Laeiszhalle.

Stradivari, Guarneri & Co.: der Deutsche Musikinstrumentenfonds
Für junge Streicher rief die Stiftung gemeinsam mit der Bundesrepublik Deutschland 1993 das bis dato erfolgreichste Förderprojekt ins Leben: den Deutschen Musikinstrumenten- fonds, die mittlerweile national größte Sammlung wertvoller alter Geigen, Bratschen, Celli und Kontrabässe für den hochbegabten Nachwuchs. Seit 1994 organisiert die Stiftung jährlich Wettbewerbe zur Vergabe dieser Instrumente und ist so zur wichtigsten Adresse für die hoffnungsvollsten jungen Streicher auf der Suche nach einem adäquaten Instrument geworden. Der Versicherungswert des Fonds hat sich durch zahlreiche Schenkungen und treuhänderische Eingaben aus Privatbesitz seit seiner Gründung verzehnfacht und liegt heute im zweistelligen Millionenbereich.

Ausbildung mit Patenschaften und Stipendien
Aufgabe der Stiftung ist die individuelle Förderung der Spitzenbegabungen auf vielfältige Weise: Beratung bei der grundsätzlichen Entscheidung für eine hauptberufliche Musikerkarriere, Begleitung auf dem Weg in die großen Konzertsäle der Welt, Empfehlung zum Vorspiel bei Dirigenten, Vermittlung von seriösen Medienkontakten und flankierend natürlich immer die finanzielle Unterstützung auf dem langen Weg an die Spitze. Über die Jahre hat die Stiftung ihre Kontakte zu anderen fördernden Institutionen und musikbegeisterten Privatpersonen intensiviert, vergibt Stipendien und Patenschaften und hat 1999 gemeinsam mit der ZEIT-Stiftung ein Programm zur Förderung angehender Solisten aufgelegt. Hinzu kommen Sonderpreise und Stipendien beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ und beim Deutschen Musikwettbewerb.

Unsere Stipendiaten - die Stars von morgen
Inzwischen betreut die Stiftung einen Kreis von rund 200 Stipendiaten im Alter zwischen 12 und 30 Jahren aus ganz Deutschland, Solisten wie Ensembles, darunter ganz unterschiedliche Musikerpersönlichkeiten aus allen Instrumentenkategorien. Viele hochbegabte deutsche Nachwuchsmusiker hat sie einmal gefördert, in früheren Jahren zum Beispiel den Geiger Frank Peter Zimmermann oder die Klarinettistin Sabine Meyer, heute angehende Stars wie die Geigerin Veronika Eberle, die bereits unter Simon Rattle in Salzburg spielte und weltweit Konzerte gibt.

„Könner brauchen Gönner“
Noch finanziert die Deutsche Stiftung Musikleben fast ihr gesamtes Förderprogramm aus den jährlichen Spenden ihrer Freunde und Förderer. Seit 1992 konnte die Stiftung diesen Kreis auf rund 600 Spender ausbauen und unter dem Motto „Könner brauchen Gönner“ ihr jährliches Spendenaufkommen kontinuierlich steigern. Da das Haus Bertelsmann die Verwaltungskosten der Stiftung trägt, fließt jeder weitere gespendete Cent zu 100 Prozent unmittelbar in die Förderung der jungen Musiker.

Die Zukunft fordert uns
Nach dem Aufbau eines umfassenden Förderprogrammes in den letzten 15 Jahren sieht die Stiftung heute ihre primäre Aufgabe in der Absicherung ihrer Arbeit für die Zukunft: Sie muss und wird bemüht sein, Förderer und Mäzene zu gewinnen, um so eine unabhängige Programmarbeit zugunsten des hochbegabten Musikernachwuchses in Deutschlands dauerhaft zu ermöglichen.