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Warum Musik in unseren Genen liegt

Ein Interview mit Christine Süßmuth und Jörn Bullerdiek
Buchpräsentation am 5. Dezember im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Der Erlös geht an die Deutsche Stiftung Musikleben.

Auf einer Autofahrt hat man mitunter viel Zeit, lange Gespräche mit den Mitfahrenden zu führen und über Fragen nachzudenken, auf die man sonst vielleicht nie gekommen wäre. Irgendwo zwischen Bremen und Hamburg kamen die Sängerin Christine Süßmuth und der Humangenetiker Jörn Bullerdiek auf diese Art miteinander ins Gespräch. Es stellte sich die große Frage: Warum fasziniert uns Musik? Und: Ist die Liebe zu Tönen und Melodien am Ende vielleicht sogar biologisch erklärbar?
Begeistert von diesem Thema unternahmen beide eine „Forschungsreise“ nach Neapel, bei der sie sich verschiedenen Aspekten der Fragestellung widmeten: von der antiken Mythologie über Musikalität im Tierreich bis hin zum Zusammenspiel von Musik und Gefühlen. Herausgekommen ist eine ebenso unterhaltsame wie informative Analyse über die Faszination von Musik im Spiegel unserer Gene.
 

Redaktion: Eine Musikerin und ein Humangenetiker schreiben zusammen ein Buch – das kommt ja nicht allzu häufig vor, und auf den ersten Blick haben die Themen Musik und Genetik nicht besonders viele Berührungspunkte. Wie kam es zu der Idee für das Buch und wie sind Sie an die gemeinsame Arbeit herangegangen?

Jörn Bullerdiek: In dieser Kombination ist das sicherlich ungewöhnlich. Dabei ist der Zusammenhang zwischen Genetik und Musik viel enger, als er sich auf den ersten Blick erschließt. Wenn wir musizieren oder einfach Musik genießen, dann können wir das letztendlich nur mithilfe unserer Gene. Das beginnt mit dem Aufbau des Ohres oder motorischen Fähigkeiten und endet bei hochkomplexen Vorgängen im Gehirn - alles gesteuert von Genen. Manche Menschen sind da begünstigter als andere. Was natürlich nicht heißt, dass allein die Gene steuern, wie wir mit Musik umgehen.

Christine Süßmuth: Wie sind wir auf die Idee gekommen? Am Anfang stand das gegenseitige Interesse am Fach des anderen. Dann gab es viele Recherchen und schließlich die Überlegung, ob man nicht schon fast ein Buch über das Thema schreiben könnte - scherzhaft erst, und dann immer ernster. .

Redaktion: Der Titel Ihres Buches lautet „Warum Musik in unseren Genen liegt“. Ist das im übertragenen Sinn gemeint oder lässt sich die Leidenschaft oder die Begabung für Musik wirklich in unseren Genen nachweisen?

Jörn Bullerdiek: Das zweite ist der Fall. Wir Menschen haben alle einen im wesentlichen gleichen Grundstock von Genen. Davon existieren nahezu unzählige Varianten, darunter auch solche, die mit Musikalität in Verbindung stehen. Es gibt also nicht ein „Musikalitätsgen“, sondern sehr viele. Entsprechend z.B. dem Rhythmusgefühl, der Fähigkeit, sehr gut Töne zu erkennen, im Chor zu singen oder zu komponieren.

Redaktion: Würden Sie sagen, dass wir Musik „brauchen“? Ist Musik vielleicht sogar wichtig für unsere Entwicklung?

Christine Süßmuth: Dafür spricht vieles. Menschen reagieren auf Musik, und wir hätten diese Fähigkeiten nicht, wenn sie nicht in irgendeiner Weise beim Leben und Überleben helfen würden. Wie sich das konkret entwickelt haben könnte, ist Gegenstand unseres Buches.

 

„Warum Musik in unseren Genen liegt“ von Christine Süßmuth und Jörn Bullerdiek ist im Oktober im Springer Verlag Berlin erschienen.

Am 5. Dezember um 19 Uhr präsentiert das Autor:innenduo ihr Buch im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Eintritt: 12 Euro an der Abendkasse. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Der Erlös geht an die Deutsche Stiftung Musikleben.

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